Quellenbestand

Das Editionsprogramm »Fraktionen im Deutschen Bundestag 1949–1990« unter Federführung der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (KGParl) hat sich zum Ziel gesetzt, einen einzigartigen Quellenbestand zur Geschichte des Parlamentarismus und der parlamentarischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland für Forschung und Öffentlichkeit online bereitzustellen. Zu den Sitzungen der damals maßgeblichen Fraktionen im Deutschen Bundestag, d.h. von CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNEN, sind seit 1949 fast durchgängig Protokolle überliefert, die eine exzellente Quellenbasis zur deutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg und zur Funktionsweise des politischen Systems der Bundesrepublik darstellen.

Form und Umfang der in die Online-Edition aufzunehmenden Sitzungsprotokolle sind aufgrund des Zeitrahmens von über 40 Jahren und der von Fraktion zu Fraktion differierenden Art der Protokollierung unterschiedlich. Bis Ende der 1960er Jahre dominieren Beschluss- und Verlaufsprotokolle, vereinzelt ergänzt durch ausführlichere Wortprotokolle – wohl auf der Grundlage stenografischer Mitschriften.

Mit der zunehmend geschäftsmäßigen Anfertigung von Tonbandmitschnitten der Fraktionsdebatten rückt die genaue Wiedergabe der einzelnen Wortbeiträge der Abgeordneten in den Mittelpunkt. Dies gilt zunächst für die CDU/CSU-Fraktion, die seit September 1966 auf der Grundlage der Tonbänder zeitnah wörtliche oder wortnahe Niederschriften erstellen ließ. Bei der SPD-Fraktion hielt man bis Mitte der 1970er Jahre an einer komprimierten Wiedergabe der Sitzungen durch Verlaufsprotokolle fest, doch existieren seit 1969/70 zu vielen Sitzungen zusätzlich Tonbandaufnahmen – in der Regel von zwei bis vier Stunden Dauer. Diese Tonaufnahmen werden im Rahmen des Editionsprogramms erstmals transkribiert und so in Schriftform verfügbar gemacht. Bereits für die 7. Wahlperiode (1972–1976) werden für die große Mehrzahl der SPD-Fraktionssitzungen derartige Tonbandtranskripte ediert. Bei den Sitzungsprotokollen der FDP-Fraktion handelt es sich zwar überwiegend um eher knappe Verlaufsprotokolle, doch lässt sich auch hier feststellen, dass Umfang und Aussagekraft ab der 5./6. Wahlperiode beträchtlich zunehmen. Ähnliches ist zu den Protokollen der CSU-Landesgruppe zu vermerken. Die Sitzungsprotokolle der Fraktion der GRÜNEN von 1983 bis 1990 haben häufig eher Beschlusscharakter, werden jedoch durch reiche Materialanhänge ergänzt.

Die Originalvorlagen zu den edierten Dokumenten entstammen der Fraktionsüberlieferung in den Archiven der Parteistiftungen von CDU (Archiv für Christlich-Demokratische Politik), SPD (Archiv der sozialen Demokratie), FDP (Archiv des Liberalismus), CSU (Archiv für Christlich-Soziale Politik) und GRÜNEN (Archiv Grünes Gedächtnis). Diese Bestände weisen für die hier relevanten Sitzungsprotokolle nur wenige Lücken auf – für die CDU/CSU-Fraktion vom Februar 1950 bis zum Mai 1954, für die FDP-Fraktion insbesondere im Zeitraum 1954 bis 1958 und für die CSU-Landesgruppe zwischen Oktober 1966 und Februar 1969. Durch Ersatzüberlieferungen, etwa parallel angelegte Fraktionsvorstandsprotokolle, können diese Verluste teilweise aufgewogen werden.

Einen großer Teil der Sitzungsprotokolle von 1949 bis 1969 (1.–5. Wahlperiode) hat die KGParl bereits in kommentierten Buchausgaben veröffentlicht. Für die Online-Edition wird dieses Quellenmaterial neu aufbereitet, so dass jedes Dokument gesondert abrufbar ist. Die Wahlperioden des Bundestages ab 1969 werden als schmalere Auswahledition auch in Zukunft als Buch veröffentlicht. Die Gesamtheit aller Sitzungsprotokolle wird im Internet zur Verfügung gestellt. In den Bucheditionen findet dies mittels entsprechender Querverweise Berücksichtigung.


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